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Sonntag, 28. November 2021

Meldung vom: Freitag, 21. Dezember 2012 um 19:25 Uhr | Kategorie: Kultur | Autor:  Sebastian Großert

Gedenkstätten-Chef Knigge setzt sich gegen Buch zur Wehr

Gedenkstätten-Chef Volkhard Knigge setzt sich ungewöhnlich deutlich und ausführlich gegen das Buch "Allein unter Deutschen" zur Wehr. Knigge sieht sich entstellt dargestellt.

"Haltlose Vorwürfe gegen die Gedenkstätte Buchenwald" ist die Pressemitteilung überschrieben, die Knigge am 21. Dezember auf Deutsch und unter "Unfounded allegations against the Buchenwald Memorial" auf Englisch auf der Gedenkstätten-Homepage veröffentlichen ließ. Darin heißt es, der Autor von "Allein unter Deutschen", der New Yorker Theatermacher Tuvia Tenenbom, habe die Arbeit der Gedenkstätte Buchenwald absurd und bar jeder Realität dargestellt.

Die Gespräche, die der Autor mit Knigge und dem Leiter der pädagogischen Abteilung geführt habe, würden entstellt wiedergegeben. So habe er, Knigge, "zu keinem Zeitpunkt davon gesprochen, dass Juden in Uganda hätten angesiedelt werden sollen". Weiter heißt es: "Internationaler Forschungsstand ist auch, dass es im KZ Buchenwald und seinen Außenlagern keine Gaskammern gegeben hat und dass im KZ Buchenwald keine Tötungen durch Gas stattgefunden haben, wie Herr Tenenbom in seinem Buch behauptet."

Tenenboms Buch ist die Beschreibung einer Deutschlandreise und erschien 2011 in den USA unter dem Titel "I Sleep in Hitler's Room: An American Jew visits Germany". Der Titel bezieht sich auf eine Übernachtung im Hotel Elephant in Weimar, einer der Stationen der Reise. Tenenbom schildert in dem Buch unter anderem, wie er sich auf den Balkon stellt, auf dem sich Adolf Hitler bejubeln ließ, und "im Hitlerstil" Passanten auf dem Markt winkt, die freundlich zurückwinken. Auf Deutsch sollte das Buch zunächst beim Rowohlt-Verlag erscheinen, der die Reise finanziert hatte. Tenenbom überwarf sich jedoch mit Rowohlt, so dass das Buch von Suhrkamp unter dem Titel "Allein unter Deutschen. Eine Entdeckungsreise" herausgebracht wurde.

Die Thüringische Landeszeitung hatte bereits am 7. Dezember berichtet (zum Artikel auf tlz.de), dass sich Knigge und der damalige OB-Kandidat und Weimarwerker Martin Kranz von Tenenbom verzerrt zitiert fühlen. Kranz ist Intendant der Jüdischen Kulturtage in Berlin. In dem Text des Weimarer TLZ-Redaktionsleiters Thorsten Büker findet sich der Satz "Knigge wollte sich über das Buch nicht ärgern. Zumindest nicht öffentlich, wohlwissend, dass Tuvia Tenenbom nur darauf wartete." - Offensichtlich hat sich Volkhard Knigge über das Buch mittlerweile so geärgert, dass er die längere Stellungnahme unabdingbar fand.


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