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Sonntag, 28. November 2021

Meldung vom: Dienstag, 8. Januar 2013 um 21:27 Uhr | Kategorie: Wirtschaft | Autor:  Sebastian Großert

Bahn lässt sich ICE-Umweg über Erfurt teuer bezahlen

Wer nach Eröffnung der neuen Strecke Erfurt-Leipzig mit dem ICE von Weimar nach Leipzig, Dresden oder Berlin fahren möchte, muss für den Umweg über Erfurt extra zahlen. Das hat die Bahn klargestellt.

Rabatt wird nicht gegeben: Weimar soll mit Inbetriebnahme der neuen Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke Erfurt-Leipzig 2015 nicht nur vom ICE-Verkehr der Deutschen Bahn abgekoppelt werden. Fahrgäste, die von Weimar aus mit einem Fernzug über Erfurt nach Berlin, Leipzig oder Dresden reisen möchten, werden dafür obendrein stärker zur Kasse gebeten als heute. "Wer über Erfurt fahren will, wird natürlich etwas mehr zahlen müssen", räumte der Konzernbevollmächtigte der Bahn AG für Thüringen, Volker Hädrich, am Dienstag bei einer Podiumsdiskussion im mon ami zur Zukunft des Bahnverkehrs in Weimar ein  - für die Nahverkehrs-Fahrkarte von Weimar nach Erfurt und die Fernbahnkarte von Erfurt aus.

Hädrich verkündete den Zuhöreren nur vereinzelte Hoffnungsschimmer zum Fernbahnhalt Weimar. Welche Fernverkehrsangebote die Bahn Weimar nach 2015 überhaupt noch offeriere, werde derzeit in einer Arbeitsgruppe diskutiert, der neben einem Vertreter des Thüringer Verkehrsministeriums auch die Oberbürgermeister von Weimar, Jena und Gera angehörten. Derzeit kalkuliere die Bah, ob es sich rechne, Fernzüge über Weimar fahren zu lassen. Erst nach der nächsten Sitzung der Arbeitsgruppe am 8. Februar 2013 könne man dazu Stellung nehmen. Ob es sich um ICE- oder IC-Züge handeln könnte, ließ Hädrich offen.

Noch vager sind die Aussagen der Bahn-Gewaltigen zu möglichen Fernzügen auf der Strecke von Weimar über Jena nach Gera, die für 70 Millionen Euro zweigleisig ausgebaut werden soll. "Die neuen Doppelstock-IC-Züge könnten vom Ruhrgebiet bis nach Gera fahren, müssten aber von Thüringen mit gestützt werden", so Hädrich. Eine Elektrifizierung der Strecke, die wohl eine Voraussetzung für Fernzüge wäre, soll zudem erst in einem zweiten Schritt erfolgen: Hädrich zufolge hat Thüringens Verkehrsminister Christian Carius vor, die Elektrifizierung zu einem vordringlichen Projekt im Bundesverkehrswegeplan erklären zu lassen. Realisierung also - offen.

Um Weimar wenigstens einen Teil der einstigen ICE-Zughalte zu retten, schlug das Bahnbündnis Nächster Halt Weimar vor, ICE-Züge ab 2015 in jeder zweiten Stunde in Leipzig und Erfurt zu teilen: Da die Züge aus zwei Einzelzügen bestünden, könnten sie "geflügelt" werden, erklärte Matthias Altmann, Gewerkschaftssekretär bei der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG und Mitglied im Bahnbündnis. Ein Teil könne über Weimar und Naumburg nach Leipzig fahren, ein anderer auf der neuen Strecke direkt. Eine solche Zugteilung wird derzeit etwa auf der Strecke Berlin-Köln praktiziert; ab Hamm fährt ein Zugteil über Wuppertal und Hagen, während der andere über das Ruhrgebiet und Düsseldorf verkehrt. Die Bahn hielt sich zu dem Vorschlag zunächst bedeckt.

Wie sich die Nahverkehrsgesellschaft die Anbindung Weimars vorstellt

Wie viele Fernbahnhalte die Weimarer der Bahn auch immer abtrotzen können: Normal wird es ab 2015 sein, mit einem Nahverkehrzug zunächst nach Erfurt zu fahren, um dort in den ICE zu steigen. Bahn und Nahverkehrsgesellschaft Thüringen verweisen darauf, dass sich dadurch die Gesamt-Reisezeit etwa nach Berlin nicht verlängert, weil die Züge auf der neuen Strecke Zeit einsparen - 30 Minuten allein auf der Strecke Erfurt-Leipzig. Die Umsteigezeiten sollen so konzipiert werden, dass Reisende in Erfurt nur kurze Zeit auf ihren ICE oder Nahverkehrszug warten müssen.

Volker Michael Heepen, der Geschäftsführer der Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen, stellte im mon ami die Planungen für die Nahverkehrsanbindung vor: Die "alte" Bahnstrecke Erfurt-Weimar-Naumburg-Halle wird ab 2015 vom Bahn-Konkurrenzen Abellio bedient, einer Tochter der Niederländischen Bahn. Abellio werde "niederflurige" Fahrzeuge einsetzen, die ohne Treppensteigen betreten und verlassen werden können, und zudem die Bahncard anerkennen.

Auf der Mitte-Deutschland-Verbindung von Weimar über Jena nach Gera bleiben Reisenden dagegen die Neigetechnik-Dieseltriebzüge erhalten. Die Züge sind heute häufig überfüllt. Alltäglich zanken sich Fernreisende mit großen Koffern mit Studenten mit Fahrrädern um den knapp bemessenen Platz, das Stehen im Gang ist morgens und abends eher die Regel als die Ausnahme. Zudem fährt oft statt zwei zusammengekoppelten Triebwagen nur einer. Neue Nahverkehrszüge soll es auf dieser Strecke frühestens 2021 geben.

 


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