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Sonntag, 28. November 2021

Meldung vom: Dienstag, 22. Januar 2013 um 22:18 Uhr | Kategorie: Kultur | Autor:  Sebastian Großert

Klassik-Stiftung kauft Aufzeichnungen von und an Hufeland

Als man noch an "Hochwohlgebohrn" adressierte: Die Klassik-Stiftung hat aus Privatbesitz eine Handschriftensammlung gekauft, die Briefe an den Juristen Gottlieb Hufeland umfasst.

Das Goethe- und Schiller-Archiv der Klassik-Stiftung ist um ein Zeugnis der Weimarer Klassik reicher: Die Stiftung hat von einem Privatier für eine unbekannte Summe eine Handschriftensammlung aus dem Umkreis des Juristen Gottlieb Hufeland (1760–1817) angekauft. Wie die Stiftung am Dienstag mitteilte, handelt es sich um 23 handschriftliche Briefe und Aufzeichnungen. Darunter seien ein bis dato unbekannter Brief Johann Wolfgang von Goethes sowie weitere eigenhändige Briefe von Friedrich Schiller, August Wilhelm Schlegel und Ernst Moritz Arndt. Für die Forschung seien diese Handschriften von großer Bedeutung - insbesondere für die Editionsvorhaben des Archivs zu Goethe und Schiller.

Der in Danzig geborene Gelehrte Gottlieb Hufeland wirkte von 1788 bis 1802 als Professor in Jena und war Mitherausgeber der Allgemeinen Literaturzeitung. Ihm wird zugeschrieben, als einer der ersten den Begriff Volkswirtschaftslehre benutzt zu haben. Hufeland war persönlich bekannt mit Friedrich Schiller, Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling.

Die Klassik-Stiftung veröffentlichte eine der erworbenen Handschriften, die "ein Schlaglicht auf das Universitätsleben in Jena" werfe. Es handele sich um eine schriftliche Beschwerde des Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, der 1798 als erst 23-Jähriger zum außerordentlichen Professor nach Jena berufen worden war, um Goethe zu unterstützen. Schelling beschwert sich bei Hufeland über Tabakrauch, der von dessen Diener in seinen Vorlesungsraum geblasen wurde. Schelling brach daraufhin seine Vorlesung ab. Als Zeugen für dieses Ärgernis benennt er in seinem Schreiben das ganze Auditorium.

Wörtlich lautet das Schreiben wie folgt:

"Ich bedaure sehr, daß ich Ew. Hochwohlgebohrn mit einer Bitte beschwerlich fallen muß. Gestern während meiner Vorlesung hat Ihr Bedienter durch eine Öffnung seiner Thüre in das Auditorium Rauchtabak hereingeblasen, in solcher Quantität, daß es unmöglich war fortzufahren. – Zeuge ist mein ganzes Auditorium. Ich bin genöthigt, Ew. Hochwohlg. geh. zu bitten, daß Sie ihm diese Ungebühr verwehren. Der ich mit der vollkommensten Hochachtung verharre Ew. Hochwohlgebohrn gehorsamster Diener Schelling."


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